Krankenhaus Daun

MRT-Fusionsbiopsie der Prostata - moderne, präzise Methode in der Primärdiagnostik des Prostatacarcinoms

Weltweit gesehen ist das Prostatacarcinom die zweithäufigste Krebserkrankung des Mannes und die fünfthäufigste Todesursache, so dass der Früherkennung und Primärdiagnostik eine hohe Bedeutung zukommen.

von Dr. med. Evelyn Anderson, Fachärztin für Urologie

Zur rechtzeitigen Früherkennung des Prostatacarcinoms wird Männern ab dem 45. Lebensjahr die jährliche Vorsorge mit rektaler Prostata Tastuntersuchung und PSA-Wert-Bestimmung (Prostata Spezifisches Antigen) empfohlen. Bei erhöhtem oder deutlich angestiegenem PSA-Wert stellt seit mindestens drei Jahrzehnten die transrektale ultraschallgesteuerte Prostatabiopsie (TRUS) den Standard in der Prostatacarcinom Diagnostik dar. Dabei werden ultraschallgesteuert 10-12 Gewebeproben von der Basis bis zum Apex der Prostata über den Mastdarm entnommen. Die Probengewinnung ist hierbei keine gezielte Gewinnung von suspektem Gewebe, sondern eine systematische Stanzbiopsie. Hierbei wird ein signifikanter Anteil klinisch relevanter Carcinome übersehen.


v.l.n.r.: Dr. med. Evelyn Anderson, Fachärztin für Urologie, Dr. med. Bruno Dühr, Ltd. Oberarzt Urologie und Dr. med. Franz Spies, Chefarzt Urologie

Mit der hochauflösenden, multiparametrischen MRT- Untersuchung ist es nun möglich, gezielt Areale als krebsverdächtig einzustufen. Die Läsionen werden hierbei nach dem PIRADS-Score (Prostate Imaging Reporting an Data System) eingeteilt. Die Bewertung reicht von 1 bis 5, wobei 1 eine sehr geringe und 5 eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatacarcinoms bedeutet.

Untersuchungen haben ergeben, dass durch die MRT-Fusionsbiopsie 30% mehr Carcinome entdeckt werden, als dies bei alleiniger systematischer Biopsie der Fall wäre. Insbesondere der Anteil klinisch signifikanter, aggressiver Carcinome war deutlich höher.

Bei einer MRT Fusionsbiopsie werden mit einem speziellen Computersystem MRT-Bilder, in denen die carcinomverdächtigen PIRADS-4/5-Läsionen markiert wurden, mit einem life durchgeführten Ultraschall mittels eines high-end-Ultraschall-Gerätes gekoppelt. MRT- und Ultraschallbilder werden nebeneinander auf demselben Bildschirm dargestellt. Die Ultraschallsonde wird an einem feststehenden Stativ (Stepper) angebracht, so dass eine gleichbleibende Darstellung der Prostata gesichert ist. Im MRT wird die suspekte Läsion markiert, im Live TRUS-Bild aufgesucht und gezielt biopsiert. So können nun computergesteuert, auch im 3-D-Modell, gezielt suspekte Läsionen dokumentiert, dargestellt und biopsiert werden. Im Falle eines Tumornachweises ermöglicht das MRT zusätzlich eine Abschätzung des Tumorvolumens und dadurch eine zusätzliche Möglichkeit der Risikoabschätzung zur optimalen Planung der weiteren Therapie.

Die MRT-Fusionsbiopsie detektiert sowohl allein als auch insbesondere in Kombination mit der Systembiopsie mehr klinisch relevante Prostatacarcinome. Die zusätzliche systematische Biopsie bietet die höchste Sicherheit, wobei hierbei auch mehr Niedrigrisikocarcinome entdeckt werden. In den Leitlinien der großen urologischen Fachgesellschaften wird derzeit die Kombination beider Methoden empfohlen.
Seit kurzer Zeit ist die Urologische Abteilung des Krankenhauses Daun nun in der Lage, den Patienten diese wichtige Untersuchungsmethode anzubieten.


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